Wenn es im Herbst plötzlich kühl wird, greifen viele zu einer Elektroheizung für Bad, Büro oder Gästezimmer. Doch welches Gerät ist das richtige? Dieser Ratgeber vergleicht Heizlüfter, Ölradiator, Konvektor und Infrarotheizung und zeigt, wie du die Stromkosten einschätzt.
Eine wichtige Grundregel
Elektrische Heizgeräte wandeln praktisch den gesamten Strom in Wärme um. Ein 2.000-Watt-Gerät gibt bei gleicher Laufzeit also ähnlich viel Wärme ab wie jedes andere 2.000-Watt-Gerät, egal ob Heizlüfter, Ölradiator oder Infrarot. Die Unterschiede liegen im Komfort: wie schnell es warm wird, wie die Wärme verteilt wird, wie laut das Gerät ist und wie gut Thermostat und Zeitschaltuhr arbeiten. Versprechen wie „spart viel Strom“ solltest du deshalb kritisch prüfen.
Die Geräte im Vergleich
Heizlüfter
Ein Gebläse bläst Luft über ein Heizelement. Das Gerät wird sehr schnell warm, ist günstig und handlich. Nachteile: Gebläsegeräusch und Luftbewegung, die Staub aufwirbelt. Gut für kurzes Aufheizen von Bad oder Arbeitszimmer.
Ölradiator
Ein Heizelement erwärmt Öl in Rippen, die die Wärme abgeben. Das Gerät braucht länger zum Aufwärmen, ist aber leise und gibt Wärme auch nach dem Abschalten noch eine Weile ab. Gut für Räume, in denen du dich länger aufhältst.
Konvektor
Wärme wird über Luftzirkulation verteilt, oft mit Thermostat und Timer, teilweise zur Wandmontage. Leise und gleichmäßig, eignet sich als Zusatzheizung für dauerhaft genutzte Räume.
Infrarotheizung
Strahlt Wärme direkt auf Körper und Oberflächen. Die Wärme ist sofort spürbar und es gibt kaum Luftbewegung. Eher für punktuelles Wohlfühlen geeignet, etwa am Schreibtisch. Ob Infrarot insgesamt Stromkosten spart, ist umstritten und hängt vom Einsatz ab. Die Physik des Stromverbrauchs bleibt dieselbe.
Stromkosten berechnen
Die Formel: Leistung in kW × Betriebsstunden × Strompreis pro kWh. Beispiel mit 0,35 € pro kWh (setze deinen Tarif ein): Ein Heizlüfter mit 2 kW, der 3 Stunden läuft, verbraucht 6 kWh und kostet etwa 2,10 €. Pro Monat mit täglich 3 Stunden sind das rund 63 €. Mit Thermostat läuft das Gerät nur, wenn nötig, und kostet weniger.
Elektroheizungen sind im Betrieb meist teurer als Gas, Fernwärme oder Wärmepumpe. Als Dauerheizung für das ganze Haus eignen sie sich selten, als Ergänzung für einzelne Räume oder kurze Zeiträume schon.
Kaufkriterien
- Thermostat und Timer: Halten die Temperatur und schalten ab. Das spart Strom.
- Leistungsstufen: Mehrere Stufen erleichtern die Anpassung an den Raum.
- Kippschutz und Überhitzungsschutz: Pflicht für die Sicherheit.
- Leistung passend zur Raumgröße: Als grobe Orientierung gilt: Je größer der Raum und je schlechter gedämmt, desto mehr Leistung brauchst du. Die Angaben der Hersteller sind Richtwerte.
- Schutzart im Bad: Für Feuchträume gelten besondere Anforderungen, nutze nur Geräte, die dafür ausdrücklich freigegeben sind.
- Lautstärke: Wichtig fürs Schlafzimmer und Büro.
- Prüfzeichen: Ein GS-Zeichen oder vergleichbare Prüfsiegel sind ein Hinweis auf geprüfte Sicherheit.
Sicherheit: Die wichtigsten Regeln
- Heizgeräte direkt an die Wandsteckdose anschließen, nicht an Mehrfachsteckdosen oder dünne Verlängerungskabel.
- Abstand zu Vorhängen, Möbeln und Textilien halten.
- Nicht abdecken, keine Wäsche darauf trocknen.
- Nicht unbeaufsichtigt laufen lassen und beim Verlassen des Raumes ausschalten.
- Defekte Kabel oder Stecker sofort ersetzen lassen.
Mehr Wärme ohne mehr Strom
Bevor du heizt: Türen zu kühleren Räumen schließen, Zugluft an Fenstern abdichten, Vorhänge abends zuziehen und Heizkörper nicht zustellen. Für gezielte Wärme am Körper sind Heizdecke und Wärmflasche oft die günstigere Lösung. Ist die Luft zu feucht, hilft ein Luftentfeuchter, denn trockene Luft fühlt sich wärmer an.
Woher kommt das? Elektroheizung in den 1960ern bis 1980ern
Elektrisch heizen hat in Deutschland eine eigene Geschichte. Ab den 1950er und 1960er Jahren verbreiteten sich Nachtspeicherheizungen, die Stromversorger förderten sie bewusst, um ihre Grundlastkraftwerke gleichmäßiger auszulasten. Nach der Ölkrise 1973 verdrängten sie zunehmend auch Ölheizungen, und dank günstiger Nachtstrom-Tarife waren sie lange beliebt. Bis Ende der 1980er Jahre wurden in Deutschland Nachtspeicherheizungen mit rund 40.000 Megawatt Anschlussleistung installiert. Ende 2006 gab es noch etwa 2,2 Millionen Haushalte damit, 2023 waren es rund 750.000 Wohnungen.
Warum das wichtig ist: Die Tarife waren damals auf Nachtstrom zugeschnitten. Mobile Heizlüfter, Ölradiatoren und Infrarotheizungen laufen dagegen zum normalen Strompreis, deshalb sind sie als Dauerheizung meist teuer. Siehe die Beispielrechnung oben.
Quellen: Wikipedia: Nachtspeicherheizung.
Häufige Fragen
Welche Elektroheizung ist am sparsamsten?
Bei gleicher Leistung unterscheiden sich die Geräte im Verbrauch kaum. Sparsam ist, wer ein Gerät mit Thermostat und Timer nutzt und nur dort heizt, wo es nötig ist.
Wie lange darf ein Heizlüfter laufen?
Das hängt vom Gerät ab. Beachte die Bedienungsanleitung und lasse Heizgeräte nicht unbeaufsichtigt laufen.
Ist eine Infrarotheizung besser als ein Heizlüfter?
Sie fühlt sich bei punktueller Nutzung angenehmer an, weil die Wärme direkt ankommt und kein Gebläse stört. Beim Stromverbrauch gibt es bei gleicher Leistung keinen Zauber.





